Die betroffenen Kinder können bereits mit
erhöhtem Augendruck auf die Welt kommen oder aber der Druck
steigt in den ersten Lebenswochen an.
Die Ursache
Das angeborene Glaukom ist eine seltene
Glaukomform. Es sind meist beide Augen betroffen, aber häufig
nicht gleich stark. Knaben sind etwas häufiger befallen als
Mädchen. Das angeborene Glaukom wird gelegentlich von den Eltern
vererbt. Die entsprechenden
Gene
und die dafür verantwortlichen Mutationen werden zur Zeit
gesucht und sind teilweise auch bereits beschrieben (s. E3).
Es gibt aber auch sporadische Fälle, d.h.
Kinder mit einem angeborenen Glaukom, das sie nicht von ihren
Eltern geerbt haben.
Zur Augeninnendrucksteigerung kommt es
aufgrund einer ungenügenden Reifung des Kammerwinkels bzw. des
Trabekelwerkes während der Schwangerschaft (siehe E2). Diese
Kinder haben einen gestörten Kammerwasserabfluss. Da die
Produktion des Kammerwassers aber trotzdem normal funktioniert,
steigt der Augeninnendruck an.
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| Abb. 3.1 Der normale Kammerwinkel: Links im
Kammerwinkel. |
Abb.
3.2 Unvollständig ausgereifterhistologischen Schnitt, rechts
schematisch dargestellt. |
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In Abbildung 3.1 sehen Sie einen normalen,
in Abbildung 3.2 einen unvollständig ausgereiften
Kammerwinkel. Das Trabekelmaschenwerk hat sich nicht voll
ausgebildet und ist auch nicht genügend freigelegt.
Folgen der
frühkindlichen Drucksteigerung
Je nach Höhe des Augeninnendruckes kommt
es über Wochen und Monate, eventuell auch über Jahre, zu einer
Schädigung des Sehnerven. Dies ist grundsätzlich ähnlich wie
beim Glaukom des Erwachsenen. Neben der Sehnervenschädigung
kommt es beim Säugling wegen der noch bestehenden Dehnbarkeit
des Gewebes auch zu einer Vergrösserung des Auges (Abb. 3.3).
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| Abb. 3.3:
Vergrößerten Augen bei einem Kind mit angeborenem
Glaukom. |
Alle Anteile der Augenhülle, vor allem
Lederhaut und Hornhaut, weiten sich aus. Dies führt zu den
grossen Augen dieser Kinder. Bestimmte Schichten der Hornhaut
lassen sich weniger leicht dehnen, dort entstehen feine Risse.
Diese wiederum führen zu einer leichten bis mässigen
Trübung der Hornhaut (Abb.3.4).
| Abb. 3.4:
Trübe Hornhaut bei einem Auge mit angeborenem Glaukom. |
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Diese Trübung bildet sich nach einer
Augendrucksenkung teilweise wieder zurück. Kinder mit einem
angeborenen Glaukom können sehbehindert werden, und zwar durch
die Schädigung des Sehnervenkopfes und/oder durch die
Hornhauttrübung.
Wie bereits erwähnt, sind Auge, Sehnerv
und bestimmte Gehirnteile am Sehvorgang beteiligt. Dieses
visuelle System ist bei der Geburt noch nicht vollständig
entwickelt. Voraussetzung für die innerhalb der ersten
Lebensjahre ablaufende Ausreifung ist ein normales beidäugiges
Sehen. Wird ein Auge in der Kindheit am Sehen gehindert (z.B.
durch einseitige Linsentrübung), ist die Reifung des
Sehapparates auf dieser Seite bedroht. Ohne entsprechende
Behandlung kann es zu einer entwicklungsbedingten Sehschwäche (=
Amblyopie) kommen. Eine
Amblyopie kann nur in der Kindheit und nicht mehr im
Erwachsenenalter korrigiert werden [amblys gri stumpf/opsein
gri sehen]. Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass den
kleinen Glaukompatienten möglichst schnell ein normales
beidäugiges Sehen ermöglicht wird.
Diagnose des angeborenen
Glaukoms
Zum Glück ist das angeborene Glaukom sehr
selten, etwa eines von zehntausend Neugeborenen ist betroffen.
Die Früherkennung ist bei dieser Krankheit äusserst wichtig, da
den Kindern bei rechtzeitiger Diagnosestellung geholfen werden
kann.
Gibt es Zeichen und bestimmte Symptome,
die den Verdacht auf ein
angeborenes Glaukom nahelegen?
Im Vordergrund stehen die zu grossen
Augen; oft tränen diese Augen und die Kinder zeigen erhöhte
Lichtempfindlichkeit mit entsprechendem Augenkneifen. Nicht
selten reiben sich die Kinder auch mit den Händen in den Augen.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Untersuchung von Neugeborenen und
Kleinkindern ist etwas schwieriger als die beim Erwachsenen.
Besteht ein Glaukomverdacht, ist eine exakte Beurteilung in
Narkose notwendig. Nur so kann der Augendruck ohne Belastung für
das Kind und auch ohne störendes Augenkneifen gemessen werden
(das Kneifen erhöht nämlich kurzfristig den Augendruck). Zudem
ist in Narkose eine Untersuchung aller Augenabschnitte,
insbesondere auch die Beurteilung des Sehnervenkopfes, möglich.
Therapie des angeborenen
Glaukoms
Die Therapie richtet sich nach dem
Schweregrad des Krankheitsbildes. In einfachen Fällen kann
zunächst mit drucksenkenden Augentropfen begonnen werden. Meist
ist aber, vor allem in schweren Fällen, eine drucksenkende
Operation notwendig; sowohl den Zeitpunkt als auch die
Operationsart legt der behandelnde Augenarzt, bzw. der
entsprechende Operateur fest.
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| Abb. 3.5:
Trabekulotomie bei angeborenem Glaukom. |
Abb. 3.6:
Goniotomie bei angeboreneGlaukom. |
Es gibt verschiedene Operationstechniken.
Abb. 3.5 zeigt eine
Trabekulotomie, Abb. 3.6 eine sogenannte
Goniotomie. Möglich ist auch eine
Trabekulektomie, welche wir bei den Operationen des
Erwachsenen besprechen und zeigen werden (s. K. 7.4).
Ziel aller Techniken ist es, den
Kammerwasserabfluss zu verbessern und damit den Augeninnendruck
zu senken.
Da der Augeninnendruck trotz gelungener
Operation jederzeit wieder ansteigen kann, sind engmaschige
Kontrollen durch den Augenarzt notwendig. Bei einem erneuten
Druckanstieg muss eine medikamentöse Therapie eingeleitet oder
die Operation wiederholt werden. Mehrfache Wiederholungen der
Operation sind möglich und leider manchmal notwendig. Mit dem
angeborenen Glaukom können andere Fehlbildungen des Auges oder
des übrigen Körpers kombiniert sein. Wir sprechen dann von
sogenannten Syndromen (z.B. Axenfeld-Rieger
Syndrom, Peter'ssche Anomalie,
Aniridie,
Neurofibromatose, etc.). Das bedeutet konkret, dass
bei einem Kind mit einem angeborenen Glaukom immer auch nach
anderen Erkrankungen bzw. Fehlbildungen gefahndet werden muss.
Umgekehrt aber muss man bei Kindern mit den entsprechenden
Fehlbildungen immer auch den Augendruck überprüfen, um ein
eventuelles Glaukom frühzeitig zu erkennen bzw. auszuschliessen